Textil­bind­ungen

Alles über die 6 bekanntesten Textilbindungen

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Die auf Webstühlen hergestellten Gewebe, sind durch die verschiedenartige Kreuzung zweier Fadensysteme gekennzeichnet. Die Systematik dieser rechtwinkligen Fadenverkreuzungen nennt man Bindung. Der senkrechte Faden wird »Kettfaden (Kette)« genannt und der waagerechte Faden »Schussfaden (Schuss)«. Man unterscheidet zwischen drei Grundbindungen: der Leinwandbindung, der Köperbindung und der Atlasbindung (Satinbindung).


Leinwandbindung (plain weave)

Bindungsformel: L 11– (10-0101-01-00)

Die Leinwandbindung ist die einfachste und älteste aller Bindungen. Jeder Kettfaden liegt abwechselnd über bzw. unter einem Schussfaden, dadurch entsteht eine schach-brettartige Optik. Die Bindungspunkte berühren sich an allen Seiten und ermöglichen somit die maximale Anzahl von Verflechtungen innerhalb eines Gewebes. Die Leinwandbindung stellt die engste Fadenverkreuzung aller Bindungen dar. Durch diese schachbrettartige Verbindung entstehen zwei identische Stoffseiten, d.h. es gibt keine rechte oder linke Warenseite. In der Baumwollweberei wird sie als Kattun-, in der Wollweberei als Tuch- und in der Seidenweberei als Taftbindung bezeichnet. Liegt der Kettfaden über mehreren Schussfäden, wird das als Kettflottierung bezeichnet, liegt der Schuss oben, als Schussflottierung.

 

Leinwandbindung


Ableitungen der Leinwandbindung sind:
Querrips-, Längsrips- und die Panamabindung Leinwandbindige Gewebe sind z.B.: Batist, Cretonne, Renforcé, Linon, Canvas, Gingham/Züchen, Musselin, Perkal, Voile, Ponge, Honanseide, Chiffon

Hinweis: ist ein Ge
ebe offen und gazeartig, kann es sich überwiegend „nur“ um eine Leinwandbindung handeln. Da die Leinwandbindung in unterschiedlichen Konstruktionen gewebt wird, stehen die Vor- und Nachteile unter den entsprechenden Handelsbezeichnungen.

Leinwandbindung

 

Ripsbindung

Die Ripsbindung ist eine Ableitung der Leinwandbindung: Typisch sind die sichtbaren Rippen, die durch das Weben im Gewebe entstehen. Es kann eine längs- oder querverlaufende, gerippte Oberflächenstruktur erzeugt werden. Dabei unterscheidet man zwischen Querrips (Kettrips) und Längsrips (Schusstips). Beim Kettrips wird die Anzahl der Ketthebungen erhöht, so dass die Schussfäden darunter verschwinden. Das Gewebebild wird also nur vom Kettmaterial bestimmt (z.B. die Farbigkeit und Fadenstärke) und das Gewebe zeigt die typische Querrippung. Beim Schussrips wird das Gewebebild in Farbe und Material nur vom Schussmaterial, den querverlaufenden Fäden bestimmt. Dies erzeugt man bei echtem Schussrips dadurch, dass die Schusspunkte höher werden. Das Gewebe ist immer durch eine Längsrippe gekennzeichnet.

Vorteile: Abriebs- und reißfest

Nachteile: oft sehr fest, stark profiliert, richtungsbetont längs oder quer

Ripsbindung

 

Panamabindung

Panamabindung oder auch Würfelleinwand oder Natté genannt, ist eine Ableitung der Leinwandbindung. Um die typische schachbrettartige Optik zu erreichen, flottieren z.B. zwei Kettfäden über zwei oder mehr Schussfäden, bevor sie wieder einbinden. Jeder Kettfaden bindet so im Schachbrettversatz ab, es entsteht das Bild einer vergrößerten Leinwandbindung.

Die Panamabindung wird bevorzugt für schwere Gewebe mit dickeren Garnen (Zwirnen) angewendet, um übermäßiges Kräuseln zu vermeiden. Gewebe in Panama-bindung sind z.B. Natté, Crépe Romain, Mönchsgewänder, Segeltuch, „Canvas“ und Oxford. Ein klassisches Panamagewebe zeigt (fast) immer die gleiche Anzahl an Kett-und Schussfäden per cm. Weitere Produkte, die in der Panamabindung hergestellt werden können, sind beispielsweise verschiedene Handarbeitsstoffe oder auch Textilien, die nach Fertigstellung im Haushalt eingesetzt werden, z.B. Geschirrtücher, Grubenhandtücher, Stickgrund. Panamagewebe sind offen, luftporös und je nach Material sommerlich kühl.

Panamabindung

 

Kreppbindung/Crêpegewebe

Der spezielle Bindungskrepp (unechter Krepp) leitet sich überwiegend von der Leinwand- und der Ripsbindung ab. Bei diesen Geweben unterscheidet man zwischen sogenannten echten und unechten Crêpes. Bei unechten Kreppstoffen werden beim Weben die Kett- und Schussfäden unregelmäßig über- und untereinander geführt, hinzugefügt, ausgelassen oder umgesetzt (z.B. zusammengesetzte Leinwand- und Ripsbindungen (Bindungskrepp)).

Für die gewollte Unregelmäßigkeit der Stoffoberfläche dürfen beim Weben weder Quer- noch Längsstreifen entstehen, d.h. sie dürfen nicht „Bildern“. Diese Konstruktion sorgt für Materialeigenschaften, die dem echten Kreppstoff sehr ähnlich sind. Es gibt echte Kreppgewebe (Garncrêpe), wie Crêpe Georgette und Chiffon oder Halbkreppgewebe wie Crêpe Marocain, Satin, Crêpe de Chine und Crêpe Satin. Diese werden in Taft- oder Leinwandbindung gewebt, mit glatten Kettgarnen und Crêpegarnen im Schuss. Die Beschaffenheit des Garns ist dabei für die krause Struktur des Stoffes entscheidend. Allein durch die Überdrehung der Garne oder durch die Kreppbindung erhalten Krepps ihr charakteristisches Erscheinungsbild.

PS: Bei Krepp sind beide Schreibweisen üblich: Krepp oder Crêpe

Kreppbindung

 

Köperbindung (twill, serge)

Bindungsformeln: K 2/1, K 3/1, K 2/2 (20—0201-01-01), (20-0202-01-01), (20-0301-01-01)

Die Köperbindung ist eine Bindung mit schrägen, parallel verlaufenden Linien (Köpergrat), die durch die treppenartige Aneinanderreihung der Bindungspunkte entsteht.Je nach Richtung der Diagonale spricht man von Z Gratköper oder right hand (von links unten nach rechts oben oder S-Köper, left hand (von rechts unten nach links oben).

Die Köperbindung ist bei Geweben die meist verwendete Konstruktion. Die Köperbindung ermöglicht sowohl die Herstellung gleichseitiger Gewebe K 2/2 als auch kett- oder schussbetonte Bindungen (z.B. Fischgrat-, Spitzköper, Gabardine- und Mehrgratköper). Ob ein Gewebe in Köperbindung dicht oder offen ist, hängt von der entsprechenden Fadendichte ab. Das bekannteste Gewebe mit Köperbindung ist Denim/Jeans.

Bei den meisten Köpergeweben ist die Kette dichter eingestellt als der Schuss.

Köperbindung

 

Atlasbindung

Bindungsformel: A 4/1, A 7/1 (30-0401-01-02) (30-0701-01-03)

Der Name Atlas leitet sich aus dem arabischen (Atlas= kühl und glatt ab). Die Atlasbindung erkennt man sehr einfach an der Zweiseitigkeit des Stoffes. Während auf der Stoffoberseite die Kettfäden dominieren, überwiegen auf der Rückseite die Schussfäden (deshalb die Unterscheidung zwischen Kett- und Schussatlas). Der Wechsel zwischen Kett- und Schussatlas ermöglicht eine Vielzahl an Musterungen des Stoffes (siehe Damast). Der Glanz der rechten Warenseite ist bedingt durch die lange

Flottierung der Kettfäden und durch die dichte Einstellung der Kette. Typische Gewebe in Atlasbindung sind z.B. Satin, Duchesse, Satinette

Nachteil: Satins neigen aufgrund der langen Flottierung zur Schiebeanfälligkeit. Nähschwierigkeiten aufgrund der Lappigkeit

Atlasbindung