Runway Jason Wu F/S 2018

Eine Hommage an Madame Grès & die Einfachheit

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Jason Wu, Runway Fashionweek New York, Frühjahr-/Sommerkollektion 2018

Das New Yorker Setting im Fulton Market Building ist mit hellen Blumengirlanden des Floristen Putnam & Putnam aus Brooklyn geschmückt. Die bunten Blüten sind in Rosé, Gelb und Dunkelgrün gehalten, in denen kurze Zeit später auch die Mode über den Laufsteg wandern wird.

In einem Blumenmeer würde die einzelne Flora durch ihre unaufgeregte Farbe vielleicht gar nicht auffallen. Genau wie die Kollektion besticht sie eher in ihrer Form und Anordnung.

Jason Wu kreierte die Frühjahr-/Sommermode 2018 mit einer Ruhe, mit der er noch nie zuvor eine Kollektion gestaltet hat. Das lag besonders daran, dass er dieses Jahr auf eine Pre-Kollektion verzichtete und sich deshalb mit voller Konzentration Frühjahr und Sommer 2018 widmen konnte. 

 

»It’s going to be easier than what you’ve seen from me. It’s getting more casual.« – Jason Wu 

 

Jason Wu Look aus der Frühjahr-/Sommerkollektion 2018 auf dem Runway in New York. Grauer Blazer mit drapiertem, gestreiftem Rock.
Jason Wu, New York, Frühjahr/Sommer 2018, ©Stefan Knauer

 

Inspiration

Bereits in seiner Sommerkollektion 2107 ließ sich der Designer von der Wechselwirkung aus Natur und Kunst inspirieren. Der Schweizer Künstler Ugo Rondinone hatte in dieser Hinsicht mit seinem Werk »Seven Magic Mountain« (2016) besonderen Einfluss auf ihn.

Er installierte bunte Felsen in der Wüste Las Vegas und stellte damit die Einwirkung der Technologie auf die Natur dar. Jason Wu übernahm die Gegensätzlichkeit in seiner Frühjahr/Sommerkollektion 2017 und setzte auf florale Prints und grafische Formen.

Blütenkleid von Jason Wu aus der Frühjahr/Sommerkollektion 2017.
Jason Wu, Frühjahr/Sommer Kollektion 2017, ©Stefan Knauer
Asymmetrisches, transparentes Blütenkleid von Jason Wu aus seiner Frühjahr-/Sommerkollektion 2017.
Jason Wu, Frühjahr/Sommer Kollektion 2017, ©Stefan Knauer

Jetzt beschäftigt er sich zwar nach wie vor mit der Natur, aber setzt seine Ideen ruhiger um. Die asymmetrischen Schnitte sind von kontrastreichen Prints und Farbgebungen geprägt, wirken insgesamt aber sehr gefasst und rezessiv.

Jason Wu Kleid mit einem asymmetrischen Schnitt, Flowerprints und transparenten Cut Outs präsentiert in New York.
Jason Wu, New York, Frühjahr/Sommer 2018, ©Stefan Knauer

Cut-outs, transparente Einsätze und Raffungen werden zu durchdachten Details, die jedem einzelnen Look ein gewisses Wow geben.

 

Inspirationen

Seine Inspiration schöpfte Jason Wu aus den Arbeiten von Madame Grès (1903; † 1993). Die französische Designerin hieß gebürtig Germaine Èmilie Krebs und war eine wichtige Wegweiserin der Haute Couture.

Eigentlich lernte sie das Handwerk der Bildhauerei, konnte den Beruf jedoch nie richtig ausüben, weil sich der Beruf für eine Frau damals nicht schickte. Durch dieses Fachwissen ließ sie allerdings stets die griechische Antike in ihre Mode miteinfließen und setzte den Grundstein für den heutigen Minimalismus.

Sie machte fließende Seidenjersey-Kleider zu ihrem Markenzeichen. Dazu sagte sie: »Ich wollte immer Bildhauerin sein. Mir ist egal, ob ich mit Stoffen oder Steinen arbeite.« Also umhüllte sie den Körper mit asymmetrischen Drapagen und gemalten Falten, die durch Tunnelzüge entstanden und an griechische Gewänder erinnerten.

Bis heute ist Madame Grès eine Inspiration für die Designwelt – in dieser Saison hat sie Jason Wu in ihren Bann gerissen, der die Faltentechnik mit großer Freude adaptierte.

Wunderschönes, bodenlanges Kleid aus der Jason Wu Kollektion Frühjahr/Sommer 2018. Transparentes, leichtes Material in einem zarten rosé Ton verzaubert mit einer ungewöhnlichen Leichtigkeit.
Jason Wu, New York, Frühjahr/Sommer 2018, ©Stefan Knauer
Laufsteg Look von Jason Wu F/S 2018. Inspiriert von Madame Gras, einer französischen Designerin. Das Kleid zeichnet sich durch asymmetrischer Drapage und Cut-Outs aus.
Jason Wu, New York, Frühjahr/Sommer 2018, ©Stefan Knauer

 

Intention 

Designer stehen unter einem ständigen Druck sich jede Saison selbst zu übertreffen. Viele große Modemacher sind an der hohen Erwartung zu Grunde gegangen und der Depression verfallen. Genau dem wollte Jason Wu entgegen wirken und plädierte für mehr Leichtigkeit: Für sich selber, aber auch für die Frauen, die seine Mode tragen.

Er möchte zum Wesentlichen zurückkehren. Dabei bezieht er sich auf eine Kindheitserinnerung in seiner Heimat Taiwan, wo er wilde Blumen aus der Steinmauer seines Nachbarn pflückte. Das Bühnenbild inszeniert genau diese Mauer.

Er richtet seinen Blick auf die natürliche Schönheit und möchte jeglichen Druck und Unwichtigkeiten vergessen und das auch seinen Kundinnen mitgeben.

Mit dieser Intention erarbeite er zuletzt auch mit dem Meisterparfumeur Frank Voelkl seinen ersten Duft, der floral, holzig und wild ist. Zurück zum Ursprung eben. Das reduzierte Design des Flakons ist auf seinem Instagram-Account zu bewundern.


Quelle: Instagram, Jason Wu  

 

Schnitte & Materialien 

In den Schnitten treffen sich Sportswear und antike Attitude – eine moderne Paarung, wie sie nur Jason Wu gelingen kann. Er selber beschreibt seine Kollektion als simpler als jede andere und trotzdem lebe sie von der gleichen Liebe zum Detail, wie alle seine vorherigen Werke.


Jason Wu, New York, Frühjahr/Sommer 2018, ©Stefan Knauer

Jason Wu, New York, Frühjahr/Sommer 2018, ©Stefan Knauer

Seine gesamte Idee basiert auf der Arbeit von Madame Grès, die sich extravagante Cut-Outs, Tunnelzüge und Asymmetrie zum Merkmal machte. Dabei war der tragende Stoff ein Gemisch aus Seide und Jersey. Diese Elemente bilden das Fundament seiner Kollektion und ergeben eine raffinierte Hommage an die Designerin des 20. Jahrhunderts.